TECHNIK

Wichtige ISO-Normen für RFID-Karten und Tags

Eine Landkarte zentraler Normfamilien im Zusammenhang mit Protokoll und Anwendung.

Stand
24.09.2026
Seitentyp
Technik

Auf einen Blick

Für technologieoffene Lastenhefte. Eine Normangabe allein garantiert keine Anwendungsinteroperabilität.

Drei Punkte vor der Entscheidung:

  • Funkschnittstelle
  • Anwendungsstruktur
  • Prüfverfahren

Eine ISO-Referenz wird der beschriebenen Ebene zugeordnet: Abmessung, Funkschnittstelle, Protokoll, Prüfung oder Anwendung. Im Lastenheft stehen Ausgabe und projektspezifische Parameter. Zwei Produkte derselben Schnittstellennorm können sich weiterhin bei Speicher, Sicherheit, Befehlen und Antennenqualität unterscheiden.

Was die Kartennormen am Kartenkörper festlegen

ISO/IEC 7810 definiert das Format ID-1 mit 85,60 × 53,98 mm, 0,76 mm Dicke und einem Eckenradius von 3,18 mm. Die Prüfverfahren für Biegen, Verdrehen, Delamination, Maßhaltigkeit und Temperaturbeständigkeit beschreibt ISO/IEC 10373-1. Das sind die Normen, die wir als Hersteller mit Materialwahl, Laminierung und Stanzung selbst beeinflussen. Die Funkeigenschaften bestimmt dagegen vor allem der Baustein mit seiner Antenne, und dafür gelten eigene Normen. Weitere Normen regeln, wo Magnetstreifen, Prägung und Kontaktmodul liegen: ISO/IEC 7811 für Prägung und Magnetstreifen, ISO/IEC 7816-2 für Lage und Maße der Kontakte. Eine Karte mit Kontaktmodul, Magnetstreifen und Antenne muss alle Vorgaben zugleich einhalten; die Antenne wird deshalb um das Modulfenster herumgeführt.

Funkschnittstellen nach Frequenzband

Bei 13,56 MHz beschreibt ISO/IEC 14443 Karten für Leseabstände von wenigen Zentimetern, gegliedert in physikalische Eigenschaften, Funkleistung und Signal, Initialisierung mit Antikollision sowie Übertragungsprotokoll. Die Typen A und B unterscheiden sich in Modulation, Bitkodierung und Antikollision. Die zugehörigen Prüfverfahren stehen in ISO/IEC 10373-6. ISO/IEC 15693 deckt Karten und Etiketten mit größerer Reichweite ab und ist bei Bibliotheks- und Logistiketiketten verbreitet.

Im UHF-Band 860–960 MHz gilt ISO/IEC 18000-63 für passive Etiketten, bei 134,2 kHz regeln ISO 11784 und 11785 die Tierkennzeichnung. Nennt eine Anfrage nur „ISO 14443“, fragen wir nach Typ A oder B und nach dem genutzten Protokollteil, weil davon Bausteinwahl und Leserkonfiguration abhängen. Ein Leser, der nur ISO/IEC 15693 beherrscht, liest keine Karte nach ISO/IEC 14443, obwohl beide bei 13,56 MHz arbeiten; Mehrprotokollleser unterstützen beide Verfahren.

Normen oberhalb der Funkschicht

Befehle, Dateistruktur und gesicherte Nachrichten vieler Mikroprozessorkarten folgen ISO/IEC 7816-4, obwohl diese Normreihe ursprünglich Kontaktkarten beschreibt. Die Kommunikation zwischen NFC-Geräten regelt ISO/IEC 18092. Für Bibliotheksmedien legt ISO 28560 fest, welche Datenelemente in welcher Kodierung auf dem Etikett stehen. Solche Datennormen entscheiden, ob ein Etikett in einem fremden System verstanden wird, auch wenn Frequenz und Protokoll bereits stimmen. Für die Produktkennzeichnung verweisen Lastenhefte zusätzlich auf ISO/IEC 29160, die das RFID-Symbol festlegt, mit dem eine Lesestelle auf Verpackungen markiert wird.

Normzitate richtig lesen

Normbezeichnungen in Angeboten wirken präzise, sagen aber oft weniger als gedacht: Eine Norm beschreibt meist eine Schnittstellenebene – nicht, ob zwei Produkte in der Anwendung zusammenarbeiten. „Erfüllt dieselbe Norm“ und „funktioniert im selben System“ sind verschiedene Aussagen.

Praktisch hilft die Rückfrage nach der vollständigen Kette: Welche Norm, welcher Teil, und wurde die Kombination aus Karte, Leser und Software real getestet? Seriöse Anbieter beantworten das konkret; ausweichende Antworten sind ein nützliches Frühwarnsignal.

Primärquellen

Häufige Fragen

Welche Toleranzen gelten für Dicke und Maße einer ID-1-Karte?

ISO/IEC 7810 lässt für die Dicke 0,76 mm mit einer Abweichung von plus oder minus 0,08 mm zu. Die Breite darf zwischen 85,47 und 85,72 mm liegen, die Höhe zwischen 53,92 und 54,03 mm. Dickere Bauformen wie Clamshell-Karten fallen nicht unter diese Toleranzen und passen deshalb nicht in jeden Kartendrucker oder Kartenschlitz.

Worin unterscheiden sich Typ A und Typ B nach ISO/IEC 14443?

Typ A moduliert das Lesersignal zu 100 Prozent mit modifizierter Miller-Kodierung und antwortet mit Manchester-Kodierung. Typ B nutzt eine Modulation von etwa 10 Prozent mit NRZ-Kodierung und antwortet mit BPSK. Auch die Antikollision arbeitet verschieden. Ein Leser muss den jeweiligen Typ unterstützen; die Frequenz allein sagt darüber nichts aus.

Welche Norm gilt für passive UHF-Etiketten in der Warenlogistik?

Die Luftschnittstelle beschreibt ISO/IEC 18000-63 für 860 bis 960 MHz. Wie Artikelnummern im EPC-Speicher kodiert werden, regeln ergänzende Datenstandards der Lieferkette. Bei einer Bestellung von UHF-Etiketten gehört deshalb neben der Norm das gewünschte Kodierschema in die Spezifikation, damit Etiketten und Warenwirtschaft dieselbe Nummer lesen.