Auf einen Blick
Zur Architekturwahl statt zur Schlagwortwahl. Nicht jeder RFID-Tag ist per Smartphone lesbar.
Drei Punkte vor der Entscheidung:
- dedizierter Leser oder Smartphone als Terminal
- gewünschte Distanz und Nutzerhandlung
- mit Referenzträger bestätigtes Protokoll
RFID umfasst ein breiteres Technologiespektrum; NFC bezeichnet Proximity-Schnittstellen unter anderem für kompatible Endgeräte. Ausgangspunkt sind vorhandenes Terminal und gewünschte Handlung. Soll ein Smartphone beteiligt sein, sind NFC-Kompatibilität und Datenformat Pflicht; größere Distanz oder Pulkerfassung benötigen eine andere Architektur.
Drei Frequenzbereiche, ein Ausschnitt für Smartphones
RFID umfasst drei gebräuchliche Frequenzbereiche: die Niederfrequenz um 125 kHz für Zutritt und Zeiterfassung, 13,56 MHz für Ausweise, Tickets und Bibliotheksmedien sowie 860 bis 960 MHz (UHF) für Logistik, Textilien und Anlagengüter. NFC ist ein Ausschnitt des 13,56-MHz-Bereichs mit festgelegten Tag-Typen auf Basis von ISO/IEC 14443 und ISO/IEC 15693 und dem gemeinsamen Datenformat NDEF. Ein Smartphone liest nur diesen Ausschnitt; 125-kHz-Karten und UHF-Etiketten bleiben ihm verborgen.
Die Leseentfernung folgt aus der Physik. NFC koppelt über das magnetische Nahfeld und arbeitet mit wenigen Zentimetern. Etiketten nach ISO/IEC 15693 erreichen mit großen stationären Antennen etwas mehr. UHF-Etiketten werden über das Fernfeld auf mehrere Meter und in großer Zahl gleichzeitig erfasst, reagieren dafür empfindlicher auf Wasser und Metall in ihrer Umgebung.
Wann wir mehrere Techniken in einem Träger kombinieren
Häufig muss ein Ausweis in eine 125-kHz-Zutrittsanlage passen und zugleich per Smartphone eine Webseite öffnen. Dafür bauen wir Karten mit zwei Transpondern: eine gewickelte Kupferspule für 125 kHz und ein gedrahtetes oder geätztes HF-Inlay, mit so viel Abstand zueinander im Kartenkörper, dass jede Antenne ihre Resonanz behält. Für Textilien oder Werkzeuge, die im Lager im Pulk erfasst und beim Kunden mit dem Telefon geprüft werden, gibt es Etiketten mit getrenntem UHF- und NFC-Teil oder Chips, die beide Schnittstellen bedienen.
Bei Kombikarten prüfen wir am Muster beide Leser einzeln und zusätzlich einen Multifrequenzleser, falls die Anlage einen solchen verwendet. Ein solcher Leser kann beide Transponder gleichzeitig ansprechen und meldet dann unter Umständen die Kennung des falschen, was sich über seine Konfiguration beheben lässt.
Der vorhandene Leser gibt die Richtung vor
Oft entscheidet der installierte Leser über die Technik, nicht das Datenblatt. Ein Leser, der ausschließlich 125 kHz verarbeitet, erkennt keine NFC-Karte, und ein reiner 13,56-MHz-Leser keine Niederfrequenzkarte. Viele Geräte tragen auf der Rückseite oder im Gehäuse ein Typenschild mit Frequenzangabe. Leser, die beide Bereiche beherrschen, erlauben es, alte und neue Karten parallel zu nutzen, bis der Bestand getauscht ist. Ein UHF-Portal ist dagegen immer eine eigene Installation mit separaten Antennen.
Begriffe sortieren, bevor Angebote verglichen werden
„RFID oder NFC?“ ist meist die falsche Frage – NFC ist ein Sonderfall der RFID-Welt auf einer bestimmten Frequenz mit eigenen Regeln. Die richtige Frage lautet: Muss ein Smartphone lesen können, oder lesen ausschließlich eigene Geräte? Daraus folgt die Technikwahl fast von selbst.
Für Ausschreibungen empfiehlt sich, beide Begriffe zu vermeiden und stattdessen Anforderungen zu nennen: Lesedistanz, Lesegeräte, Datenbedarf, Stückzahl. Anbieter, die daraus keine eindeutige Empfehlung ableiten können, sind ein früher Warnhinweis.



Primärquellen
Häufige Fragen
Ist jede NFC-Karte auch eine RFID-Karte?
Ja. NFC ist eine Teilmenge der RFID-Technik bei 13,56 MHz mit zusätzlichen Festlegungen zu Tag-Typen und Datenformat. Umgekehrt gilt das nicht: Eine 125-kHz-Karte oder ein UHF-Etikett ist RFID, aber kein NFC. Wer also eine NFC-Karte bestellt, legt Frequenz und Smartphone-Lesbarkeit bereits fest.
Warum liest mein Smartphone das UHF-Etikett in der Wäsche nicht?
UHF-Etiketten arbeiten zwischen 860 und 960 MHz und werden mit Fernfeldlesern angesprochen. Die NFC-Antenne eines Telefons ist auf 13,56 MHz abgestimmt und kann solche Etiketten weder versorgen noch empfangen. Für die Prüfung mit dem Telefon braucht das Textil ein zusätzliches NFC-Etikett oder einen Chip mit beiden Schnittstellen.
Kann eine Karte 125 kHz, 13,56 MHz und UHF gleichzeitig enthalten?
Grundsätzlich ja; solche Dreifachkarten im Format CR80 prüfen wir auf Anfrage. Die UHF-Antenne beansprucht dabei die größte Fläche, die beiden Spulen für 125 kHz und 13,56 MHz werden daneben so platziert, dass keine die Abstimmung der anderen stört. Lochungen für Clips oder Bänder müssen dann außerhalb aller drei Antennen liegen, was wir bei der Gestaltung vorgeben.
