TECHNIK

MIFARE Classic®® technisch erklärt

Speicherarchitektur, historische Nutzung und Prüfpunkte werden im Kontext eines vorhandenen Bestands eingeordnet.

Stand
24.09.2026
Seitentyp
Technik

Auf einen Blick

Sachliche technische Referenz zur Analyse eines vorhandenen HF-Bestands. Nicht als Standardwahl für neue sensible Anwendungen behandeln.

Drei Punkte vor der Entscheidung:

  • exakte Kapazität und Bauteilvariante
  • Sektor-, Block- und Schlüsselplan des Bestands
  • Authentifizierung und Lesen eines Referenzblocks

Der Speicher ist in Sektoren und Blöcke mit Schlüsselschutz gegliedert. Im Bestand werden genaue Kapazität, UID-Typ, belegte Sektoren und Leserbefehle erfasst. Für neue schutzbedürftige Anwendungen sind aktuelle Herstellerhinweise und eine Architektur mit geeigneter Authentifizierung sowie Schlüsselverwaltung maßgeblich.

Sektoren, Blöcke und Sektortrailer im Detail

Die Variante mit 1 KB gliedert ihren Speicher in 16 Sektoren zu je vier Blöcken à 16 Byte. Die 4-KB-Variante besteht aus 32 solchen Sektoren und acht großen Sektoren mit je 16 Blöcken. Der letzte Block jedes Sektors ist der Sektortrailer mit Schlüssel A, den Zugriffsbits und Schlüssel B. Block 0 trägt Kennung und Herstellerdaten und ist ab Werk schreibgeschützt. Für Anwendungsdaten bleiben bei der kleinen Variante damit 752 Byte, bei der großen 3.440 Byte.

In der Personalisierung beschreiben wir nur die Sektoren, die Ihr Speicherplan vorsieht, und setzen dort Projektschlüssel und Zugriffsbits. Alle anderen Sektoren behalten ihre Transportschlüssel, sofern die Spezifikation nichts anderes verlangt. Ein fehlerhaft geschriebener Trailer kann einen Sektor dauerhaft unzugänglich machen. Auf Wunsch kodieren wir deshalb zuerst wenige Musterkarten, die Sie mit Ihren Schlüsseln zurücklesen, bevor die Serie freigegeben wird.

Kennung mit vier oder sieben Byte

Diese Familie wird mit 4-Byte-Kennung, die nicht in jedem Fall weltweit eindeutig ist, und mit 7-Byte-Kennung gefertigt. Zutrittssysteme, die nur vier Byte auswerten, erhalten bei der längeren Variante je nach Leser einen gekürzten oder ganz anderen Wert. Für Ersatzbestellungen halten wir die Kennungslänge der Referenzkarte fest und liefern auf Wunsch eine Liste, die jeder aufgedruckten Kartennummer die ausgelesene Kennung zuordnet.

Bauformen mit diesem Baustein

Wir verbauen diese Familie in laminierten ID-1-Karten, in Schlüsselanhängern aus ABS oder Epoxidharz, in Silikon- und Stoffarmbändern sowie in Aufklebern. In kleinen Anhängern verkürzt die kleinere Spule die Lesedistanz spürbar; bei Wandlesern hinter Glas oder mit größerem Leseabstand sollte das am Muster geprüft werden. Nummerndruck, Barcode und Magnetstreifen lassen sich auf derselben Karte kombinieren, ohne die Funkschnittstelle zu beeinflussen. Für Ersatzkarten übernehmen wir Aufdruck, Nummernformat und Speicherbelegung der Referenzkarte. Sind die Sektorschlüssel des Bestands nicht bekannt, liefern wir Karten im Auslieferungszustand, die der Betreiber mit seinem eigenen Kodiergerät beschreibt; vorab festhalten können wir dann nur die Kennung.

Bestandsklassiker realistisch einordnen

Dieser Kartentyp ist in unzähligen Anlagen produktiv und wird es auf Jahre bleiben. Seine bekannten kryptografischen Schwächen sind dokumentiert; ob sie ein Projektrisiko darstellen, hängt vom Schutzbedarf ab – eine Umkleide bewertet das anders als ein Rechenzentrum.

Wer den Typ weiter einsetzt, tut es informiert: Schutzbedarf notieren, Entscheidung begründen, Austauschpfad kennen. Wer neu plant, wählt bei relevantem Schutzbedarf eine modernere Familie – nicht aus Prinzip, sondern weil der Aufpreis gegen ein dokumentiertes Risiko klein ist.

Primärquellen

Marken. MIFARE und MIFARE Classic sind Marken von NXP B.V.

Die Namen dienen ausschließlich der technischen Bauteilbezeichnung. Eine Verbindung, Lizenz oder Freigabe durch NXP wird nicht beansprucht.

Häufige Fragen

Wie viel Speicher bleibt auf einer Karte mit Sektorspeicher nach der Personalisierung für eigene Daten frei?

Jeder Sektor der kleinen Variante bietet 48 Byte Nutzdaten, abzüglich Block 0 im ersten Sektor. Frei ist, was keine vorhandene Anwendung belegt. Deshalb brauchen wir den Speicherplan des Bestands: Er zeigt, welche Sektoren Zutritt, Zeiterfassung oder Kantine bereits nutzen und welche Sektoren mit welchen Schlüsseln für eine neue Anwendung verfügbar bleiben.

Lässt sich ein falsch geschriebener Sektortrailer wieder korrigieren?

Nur solange Schlüssel und Zugriffsbits das Überschreiben des Trailers noch erlauben. Sperren die Zugriffsbits den Trailer oder ist der geschriebene Schlüssel unbekannt, bleibt der Sektor dauerhaft verschlossen, während die übrigen Sektoren weiter funktionieren. Ein vorab kodiertes Testmuster, mit den Projektschlüsseln zurückgelesen, deckt solche Fehler auf, bevor die Serie entsteht.

Warum meldet der Leser bei Ersatzkarten eine andere Nummer als bei den alten Karten?

Häufig haben alte und neue Karten unterschiedlich lange Kennungen: vier Byte im Bestand, sieben Byte bei der Nachlieferung. Der Leser kürzt oder wandelt die längere Kennung dann nach eigener Regel. Wir klären die Kennungslänge an einer Referenzkarte, bevor gefertigt wird, und liefern Ersatzkarten mit derselben Länge wie der Bestand.